Tina Schalow

Mal- und Gestaltungstherapie.

Lieblingswort.

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Ich fand meins in einem inspirierenden Gespräch zwischen Theo Wehner – emeritierter Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der ETH Zürich – und dem Journalisten Erwin Koch. Es lautet: Fehlerfreundlichkeit. Mit diesem Wort im Hinterkopf – und dem inneren Rotstift ausser Reichweite – in den gestalterischen Prozess einzutauchen, ermöglicht die eigene Spiel- und Experimentierfreude wiederzubeleben. Eine äusserst wertvolle Ressource, die uns immer wieder an Neuentdeckungen heranzuführen vermag. Oder wie Alber Elbaz so schön sagt: «Fehler sind die Mutter der Kreativität.»

Bild: Netzfund

Hier ein kurzer Auszug aus dem oben erwähnten Interview.

Gewiss, wohl jeder Fehler ist ärgerlich, nicht jeder macht Sinn, doch keiner ist wirklich sinnlos. Jeder Fehler, meine ich, birgt sein Geheimnis. Und wer es entschlüsselt, ist beschenkt. Ich habe ein Wort dafür: Fehlerfreundlichkeit. Der Fehler ist ein Fehler ist ein Fehler – nicht mehr und nicht weniger. Man soll Fehler weder verdrängen noch erhöhen, man soll sie nicht in Ranglisten zwängen, kleine Fehler sind so wichtig wie grosse. Glücklich ist der, der sagen kann: Okay, es war ein Fehler, Punkt. Man soll den Fehler als Begleiter betrachten, als Möglichkeit und Chance. Doch die Gesellschaft, die wir sind, hält am Ideal der Fehlerlosigkeit ehern fest. Wer Fehler macht, gilt weniger. Scheitern ist das letzte Tabu hienieden – wo doch das Fehlermachen nichts als menschlich und alltäglich ist. Wir müssen endlich die Trivialität des Fehlermachens erkennen und annehmen. Fehlerfreundlichkeit gleich Menschenfreundlichkeit.

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